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Potala – Symbol der Macht

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Der Anblick des Potala ist absolut beeindruckend. Wie er da über Lhasa aufragt. Ein blendendweißes Massiv, das sein Vorbild in den umgebenden schneebedeckten Bergen hat. Meiner Meinung nach zählt er zu den bemerkenswertesten Bauwerken dieser Erde.

Sein rostrot getünchtes Zentrum, der ehemalige Wohn- und Regierungsbereich des Dalai Lama und die beschirmenden goldenen Dächer gliedern das massive Bauwerk und machen aus dem riesigen, erdverbundenen Bau ein Luftschloss, das den himmlischen Räumen genauso zugehört, wie den irdischen.

Aus dem irdischen Teil steigt man über gewaltige Treppenstufen auf. Am beeindruckendsten ist es, wenn man sich dem Potala von dem gegenüberliegenden, großen Platz her nähert. Von dort nimmt man dieses Wunderwerk tibetischer Baukunst am besten wahr, bevor man zum ersten Mal in das unüberschaubare Labyrinth eintritt.

Spiegelung des Potala im Wasser des vorderen Teiches.


„Großartig wirkt die Spiegelung des Potala im Wasser des Teiches.”

Diese Spiegelung erinnert noch heute daran, welche Probleme es brachte, den Jokhang und damit Lhasa auf so feuchtem Grund zu errichten.

Das Spiegelbild des Potala, seine Umkehrung im Wasser, dürfte für den Gläubigen die Verbindung zum Reich der Nagas und der Wasserdämonen darstellen, während sein Hinaufgehen in himmlische Räume Berührung mit den Göttern suggeriert.

 

Weit von hier, im indischen Dharamsala, lebt der, für den - nach tibetischer Auffassung - der Potala die einzig entsprechende Wohnung ist: der Dalai Lama.

Er lebt dort in bescheidenen Verhältnissen und doch zweifellos gedanklich ständig verbunden mit dem, was der Potala, aber auch er selbst repräsentiert:

Für die Tibeter verkörpert der Dalai Lama die Gottheit Chenresig, den Bodhisattva des Mitleids und Erbarmens, der allen Wesen helfen möchte, den Kreislauf der Leiden zu durchbrechen. In der buddhistischen Lehre ist ein Bodhisattva eine Wesenheit, die die letzte Stufe der Erleuchtung erlangt hat und die Möglichkeit besitzt, mit dem Tod die Erlösung zu erlangen, ins Nirvana überzugehen.

Was er ist, kann ihm keine weltliche Macht nehmen. Das unterscheidet ihn von anderen entthronten Herrschern. Oder wie es ein Mönch sagt: "Der Dalai Lama bleibt unser Herr, wer auch immer sich in diesem Lande die Herrschaft anmaßt.


 

Insofern ist der Aufstieg zum Potala auch etwas anderes als der Weg in das zum Museum gewordene Schloss eines einstigen Monarchen dieser Erde. Es ist der Aufstieg zu einer Art Gralsburg, deren Hüter zur Zeit abwesend sind.

Von der Rückseite wirkt der Potala wie eine riesige Festungsanlage. In Serpentinen führt der alte Reitweg hinauf zum Palasteingang. Durch mehrere Tore erreiche ich den ersten Innenhof. Neben dem Eingang brennen Butterlampen.

Der in den Potala Eintretende soll sich bewusst sein, dass sich hinter diesen Toren eine Welt auftut, die von unserem Alltag weit entfernt ist.



Heute hat der Potala-Palast ganze 13. Stockwerke mit insgesamt 999 Zimmern. Die obersten Stockwerke dienten dem Dalai Lama als Privat-Gemächer, dann folgen Gebets- und Meditationsräume und die Unteren dienen als Grabstätte vorheriger Dalai Lamas. Hier ist das Grab des 5. Dalai Lamas zu erwähnen. Auf eine Höhe von 17,4 m und über 3 Stockwerke verteilt wurden ganze 3700 kg Gold verarbeitet.

Hier ein paar Fakten: Der Potala ist etwa 400 m lang und bis zu 117 m hoch. Er bedeckt 130.000 Quadratmeter Fläche. Das entspricht etwa 1.000 durchschnittlichen Einfamilienhäusern.

Die leicht nach Innen geneigten Mauern, die direkt aus den Felsen zu wachsen scheinen, sind bis zu 5 Metern stark. Um die Erdbebensicherheit des Potala zu vergrößern, goss man flüssiges Kupfer in die Fundamente.


 

Das viele Holz, das beim Bau verwendet wurde, war ein ganz besonderer Reichtum in diesem waldlosen Land. Es musste ganz genau bearbeitet sein, da kein Nagel verwendet werden durfte. Die Zierdächer sind aus vergoldetem Kupfer. Steine und Holz auf Esels - und Menschenrücken heuantransportiert werden, da das Rad ein religiöses Symbol war und für andere Zwecke nicht missbraucht werden durfte.


Tenzin Gyatso, der letzte Dalai Lama?

Tenzin Gyatso (Tibetisch: "Verteidiger der Lehre"), so lautet der Name des amtierenden 14. Dalai Lama, der im Jahr 1935 als Tibets geistliches und weltliches Oberhaupt eingesetzt wurde. "Für mich ist Dalai Lama ein Titel, der auf das Amt hinweist, das ich innehabe. Ich selbst bin ein menschliches Wesen und nebenbei ein Tibeter, der sich dafür entschieden hat, ein buddhistischer Mönch zu sein", sagt der Dalai Lama über sein Leben und seine Funktion.

In den vergangenen Jahren kämpfte der Dalai Lama vermehrt gegen die zunehmende Überfremdung seines Landes, gegen den Verlust der tibetischen Identität und gegen den Untergang seines Volkes.

Für den 14. Dalai Lama ist die Lage Tibets ernster als je zuvor, weshalb er sogar seine Wiedergeburt auf annektiertem tibetischen Boden infrage stellt: "Ich weiß nicht, ob es einen 15. Dalai Lama geben wird. Diese Entscheidung liegt beim tibetischen Volk. Jedenfalls werde ich nicht unter chinesischer Herrschaft wiedergeboren werden, um ihnen keine Möglichkeit zu geben, mich als ihr Werkzeug zu benutzen."

 
 

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