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Lhasa – Ort der Götter

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Ankunft im Ort der Götter

Lhasa, einst die Hauptstadt des tibetischen Reiches, liegt 3.860m hoch am Ufer des Kyichu, des "glücklichen Flusses". Jahrtausendelang war es das Traumziel von Abenteurern, Forschern und Missionaren. Viele haben von Lhasa geträumt. Nur für wenige ging der Traum, es zu besuchen, in Erfüllung.

Auf der Fahrt vom Bahnhof zum Hotel kann ich das geheimnisvolle Lhasa aus meiner Vorstellung erst einmal nicht finden. Wir fahren durch breite, asphaltierte Straßen mit Verkehrszeichen und elektrischer Beleuchtung. Moderne Zweckbauten aus Beton und Glas, westlich aussehende Supermärkte, Restaurants und Karaoke Bars prägen das Bild.

Aber vielleicht war es auch nie so, wie ich es mir vorgestellt habe?

 

Es gibt ihn noch, den Ort der Götter: Rund um den Parkhor.


„Parkhor - wo das alte Tibet lebt”

Der Parkhor, der innere Ring um den Jokhang Tempel, ist noch immer das Zentrum der Stadt. Dort hat sich das alte Lhasa am besten erhalten, und die Tibeter beherrschen das Stadtbild. Die Adligen sind verschwunden, doch ihre alten, weiß getünchten Häuser mit den geschnitzten, dunklen Fensterrahmen mit den farbigen Bordüren wurden noch nicht von den Zweckbauten verdrängt. Früher durfte kein Gebäude mehr als zwei Stockwerke haben, nichts durfte höher sein, als das "Haus des Herrn".

Auf dem Parkhor kann man das alte Lhasa noch fühlen, kann man sich vorstellen, wie es gewesen sein muss, als Heinrich Harrer zum ersten Mal in Lhasa ankam. Hier kann man sich einfach dem Strom der Pilger, die allgegenwärtig sind, anschließen, sich treiben lassen und die Faszination der "verbotenen Stadt" spüren.

Bauwerke konnte man zerstören, die Religion verbieten, Lebensweisen ändern. Aber der tief verwurzelte Glaube und die Tradition haben im Untergrund, im Privaten weitergelebt und drängen nun wieder an die Oberfläche. Hier erkennt man das Fremdartige, bekommt eine Ahnung von dieser ganz anderen Art der Lebensbewältigung.


 
 

 

Hier ahnt man, wie faszinierend Lhasa einmal gewesen sein muss

Ein Strom von Pilgern bewegt sich im Uhrzeigersinn um den Jokhang. Sie murmeln heilige Silben. Die 108 Perlen der Gebetsschnur gleiten durch ihre Finger. Die Rechte dreht die Gebetsmühle. Alte und Junge, Greise und Kinder, Pilger aus allen Landesteilen.

Die hoch gewachsenen Khama - hohe Stiefel, verzierte Messer und schwarze Haarzöpfe mit roter Wolle und Ringen - überragen alle. Mädchen haben ihr Haar wieder zu 108 Zöpfen geflochten, viele tragen stolz ihren Türkis- und Korallenschmuck.

Einige messen den Weg mit ihrer Körperlänge aus. Auf den Dächern flattern Gebetsfahnen. Zwischen den Pilgern qualmen die Wacholderöfen. Die Tibeter glauben, dass der würzige Duft die Götter gnädig stimme und die Dämonen aufhalte.


 
 


 
 

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