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Berührung in Zeiten von Corona

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Wie oft hast Du heute das Display Deines Handys berührt? Und wie oft einen Menschen?

N ie hatten wir weniger Körperkontakt als heute. Corona bzw. Covid 19 hat unser aller Leben verändert. Berührungen sind nur mit Menschen aus einem Haushalt möglich, "social distancing" ist das Zauberwort. Dabei sind Berührungen so wichtig wie Nahrung, Wasser oder Schlaf. Wir können einfach nicht ohne sie.

Manchmal muss es ein Stück Torte sein oder ein Schnitzel mit Bratkartoffeln. Auf jeden Fall spüren wir, wenn wir hungrig auf etwas sind, was unserer Seele kurzzeitig gut tut. Wir trinken, wenn wir durstig sind, wenn wir müde sind, schlafen wir, und wenn wir darauf achten, merken wir, wenn unser Körper Bewegung braucht. Einem anderen Verlangen müssen wir im Moment aus dem Weg gehen: Umarmen, Herzen, Streicheln oder Kuscheln. Das ist ebenso wichtig für unser Wohlbefinden wie Essen, Trinken oder Schlafen.

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„Berührungen haben für Lebewesen einen Stellenwert wie die Luft zum Atmen.”

 

Der Mensch kann ohne Geschmackssinn leben, ohne Gehör, sogar ohne Augenlicht. Aber er bleibt nicht gesund, wenn ihm der Körperkontakt genommen wird.

Unsere Haut enthält Millionen von Berührungsrezeptoren. Von ihnen aus senden Nervenbahnen Signale ans Gehirn. Bei sanftem, wohltuendem Körperkontakt produziert unser Gehirn das Glücks- bzw. Bindungshormon Oxytocin. Es verringert den Blutdruck, verlangsamt Herzschlag und Atemfrequenz und baut Stresshormone ab. Deshalb fühlen wir uns nach einer Streicheleinheit oder einer Umarmung beruhigt, zufrieden und zuversichtlich. Das geht uns in Zeiten von Corona ziemlich ab.

Laut einer Studie berührt der durchschnittliche Smartphone-Nutzer sein Handy rund 2.600 Mal am Tag - in Zeiten von Corona dürfte sich diese Zahl vervielfacht haben. Fragt sich nur: wie oft berühren wir aktuell einen anderen Menschen? Und was macht diese fehlende Berührung mit uns? Ich kann nur sagen, dass ich das soziale Leben sehr vermisse. Es sind die kleinen Gesten, die mir fehlen: eine Umarmung zur Begrüßung, ein Schulterklopfen, ein Händedruck.

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Zuhören ist das Gebot der Stunde.

 

Im Moment können wir nur mit Worten berühren:

Zuhören und miteinander sprechen, wenn auch auf Distanz, ist das Gebot der Stunde. "Ein Gespräch ist gegenseitige distanzierte Berührung", brachte es die die Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach auf den Punkt. Doch erst, wenn unser Gegenüber uns berührt, unsere Hand hält, fühlen wir uns gewärmt, gelöst und beruhigt. Eine Geste, die wohl noch ein wenig auf sich warten lassen muss.

In der Zwischenzeit können wir diese Zeit für uns nutzen: Wir können z.B. aufhören, uns an Kleinigkeiten aufzuhängen. Wir geben oft unwichtigen Dingen viel zu viel Bedeutung. Statt uns mit Luxusproblemen herumzuschlagen ist uns schlagartig bewusst geworden, was wirklich zählt: Familie, Freunde, Gesundheit, ein Dach über dem Kopf, genug zu essen. Und natürlich Toilettenpapier (wobei ich das persönlich überhaupt nicht verstehen kann - das wäre wirklich das letzte, um was ich mir Sorgen mache).

Diese einmalige Ausnahmesituation, diese unwirkliche Corona-Zeit, bietet uns die Möglichkeit zur Veränderung. Wir haben Zeit zu reflektieren: Wir haben endlich Zeit, um uns mal Gedanken zu machen, um uns unangenehmen Wahrheiten zu stellen. Zeit, um uns zu fragen, was zum Teufel wir eigentlich mit unserem Leben machen wollen.

Wollen wir wirklich die nächsten 10, 20 oder 30 Jahre in dem gleichen Job, bei der gleichen Firma verbringen oder endlich mal einen lang gehegten Traum verwirklichen? Was ist in unserem Leben wirklich von Bedeutung, an welcher Abzweigung sind wir in den letzten Jahren vielleicht falsch abgebogen? Was sind unsere grundlegenden Werte, auf die wir uns jetzt wieder besinnen können? Was wollen wir aus der Krise lernen?